Großmeister Edmund Kern - IMAF Seite

64 Jahre
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Großmeister Edmund Kern

Portraits einiger Meister

... als wäre es Gestern,
und doch sind es schon so viele Jahre


Es war 1977 als meine Frau Angelika und ich, Horst
Glowinski, einen Sportkameraden meines alten Judo-Clubs trafen, der begeistert von der Entwicklung desAikido im Verein schwärmte. Als wir kurz danach meinaltes Dojo besuchten, trafen wir den ersten Aikido Dan-Träger im Verein, es war Edmund Kern. Nun gehen wir mit Edmund seit einem Vierteljahrhundert diesen Weg gemeinsam, und ich habe die Ehre seinen persönlichenWeg zu beschreiben. Obwohl wir viele Jahre miteinander verbunden sind und etliche Stunden zusammen verbracht, diskutiert und philosophiert haben, spüre ich,dennoch, dass ich viele Lebensabschnitte meines Lehrers nicht kenne, und nun soll ich seine Biographie schreiben.

Edmund Kern wurde am 23. Dezember 1932 inRosenheim / Obb. als zweites Kind geboren. Er wuchs in den Kriegswirren auf und die väterlichen Vorstellungen eines „vorbildlichen“ Sohnes unterschieden sich oft von seinen eigenen Interessen und riefen bei ihm inneren Wiederstand hervor. Als Kind hundert Meter im Wettkampf rennen zu müssen um zu siegen, mochte er nicht. Andere Sachen fand er viel interessanter und diesen widmete er sich mit Hingabe. Die Eltern zogennach dem Krieg nach Heidelberg, hier begann er eine Lehre als Elektro- und Fernmeldetechniker.
Hier, in Karlsruhe engagiert er sich lange Jahre bei der telefonischen Seelsorge. Die Auseinandersetzung mitden vielfältigen Nöten der Menschen geben ihm umfassende Erfahrung für die Lebenswirklichkeit. Seine Empfindsamkeit gegenüber unharmonischenVerhaltensweisen wurde durch diese Erfahrungen geprägt und trotz der Möglichkeit einen Ehepartner zufinden, traf er letztendlich die Entscheidung, alleine ohne eine Familie zu gründen, seinen Weg zu gehen.

In den 50er Jahren hat er Kontakte zu denBenediktinern, er interessiert sich für ihreLebensauffassung, religiöse Lebensgemeinschaft, Spiritualität und Meditation, es gibt In dieser Zeit längere Klosteraufenthalte in verschiedenen Benediktinerabteien, in denen er sich zurück zieht. Hier erfährt er die vielfältigen Aspekte des Lebens und heute bilden seine Aikido-Gruppen so etwas wie seine Großfamilie.

1953 mit 21 Jahren interessiert er sich fürs Fechten, Florett undSäbel und wird diese Sportart bis 1967 betreiben. Hier erlebt er mit Freunden eine intensive Phase. Das Fechten mit seinen unterschiedlich anwendbaren Taktiken fasziniert ihn, selbst im Urlaub mit Zelt und Motorroller ist die Sportausrüstung dabei und es wird ständig geübt.
Da ihm zu diesem Zeitpunkt das Fechten nicht reicht, fängt er ebenfalls 1953 mit Judo in Heidelberg an, später wird er aus beruflichen Gründen im Karlsruher Judo-Club sein Üben fortsetzen.

Anfang der 60er Jahre lernte er die Bewegung des Fokolare kennen. Diese Bewegung ist in der Kath. Kirche eingebettet und versucht in einer unkomplizierten Weisereligiöse Inhalte konkret in den gesamten Lebensvollzug einzubauen. So entschloss er sich von 1966 bis 1967 an der Hochschule dieser Gemeinschaft in Lubiano/ItalienSoziologie, Philosophie und Theologie zu studieren. Er praktiziert Zen bei dem Jesuitenpater Lassalle und bei Graf Dürckheim.
1963 fährt er das erste Mal nach Japan um Judo zu
studieren, bei dieser Reise stellt er mit Verblüffung fest, dass die allgemeinen, manifestierten Vorstellungen überJudo in Japan doch nicht so stimmten. Japaner, die ertrifft, finden Judo sehr hart und praktizieren es nicht, die erste Rolle auf einer japanischen Reisstrohmatte war für ihn „bretterhart“. Er ging in das Kodokan in Tokyo, in dieser Zeit bekam er seinen 2. Dan Judo. Bei einer Budo-Demonstration sah er zum Ersten Mal denBegründer des Aikido, Morihei Ueshiba und war damals überrascht, wie dieser Mann seine Angreifer nach einer Technik am Boden fixieren konnte. Edmund stellt fest, dass im Ursprungsland des Budo, anders gelehrt wird und die Akzente nicht so sehr sportlich ausgeprägt sind. Diese Beobachtung hat ihn dann ab 1973 ingesamt 22Mal nach Japan geführt.

Als Edmund im August 1967 aus Italien zurück kehrt, sieht er im Karlsruher Judo-Club zum ersten Mal Aikido. Was ihn überraschte war die identische Fußstellung vom Fechten und die Aspekte Irimi und Tenkan gab es auch, nur sprach man hier vom Fechten in der ersten und zweiten Intension. Obwohl die damaligen Aikido-Lehrer noch niedere Kyu-Grade waren (4.Kyu), war es die lockere aber doch konsequente Art der Techniken die ihn ansprachen. Die Angriffsenergie voll zu beherrschen, war für ihn ein faszinierender Aspekt, unter diesenEindrücken begann er mit Aikido.

Sein wichtigster Lehrer für viele Jahre war Erhard Altenbrand aus Heidenheim. Später kam Meister André Nocquet dazu, hier prägte ihn die Auffassung und das tiefe Verständnis dieses Lehrers zum Aikido von OSensei. 1975 legt er seine Prüfung zum 1. Dan in derAikido-Sektion des Deutschen-Judo-Bundes ab. Schon in den Anfangsjahren seines Budo-Trainings hatte er immer nach entsprechender Literatur Ausschau gehalten, und so besaß er auch das Buch von Prof.Herrigel "Zen in der Kunst des Bogenschießens". Der Inhalt hatte für ihn eine ungeheuere Faszination. Hier in Rottweil hatte er nun die Möglichkeit sich dem Studium des Kyudo und Iaido zu widmen, in diesen beiden Disziplinen wird er später seine 1. Dan-Graduierungenerreichen.

1976 geht Edmund Kern aus beruflichen Gründen nachDortmund. Hier schließt er sich dem 1. Judo-Club inCastrop-Rauxel an und wird dort Trainer der Aikido-Abteilung. 1977 treten viele Aikido-Abteilungen undVereine aus dem DJB aus und es wird der Deutsche-Aikido-Bund (DAB) gegründet. Er war Gründungsmit-glied, 1. Vorsitzender und Regionaltrainer in NRW.

1978 zieht es ihn aus beruflichen Gründen nach Wien, hier trifft er auf Iwamoto-Sensei (5.Dan), der viel über das alte Aikido von O Sensei zu berichten wusste. 1989 kehrt er jedoch wieder nach Deutschland zurück und er trainiert im Budo-Club Rottweil.

Von Rottweil geht es beruflich nach Nürnberg weiter, wo Edmund Kern bei seinem Arbeitgeber (Quelle) neue Aufgaben in der Zentrale übernimmt. Hier kehrt er in den Nürnberger Postsportverein zurück in dem er schon längere Jahre Mitglied ist. Hier in Bayern wird er Verbandsvorsitzender und Regionaltrainer. In dieser Zeit findet schon ein Lehrgang mit Takeji Tomita, der Heute ebenfalls wie Edmund Kern Mitglied der IMAF ist. Bedingt durch seinen Beruf, muss Edmund sehr viel durch Deutschland reisen. Das wiederum ist ein Glücksfall für seine alten Dojos, in denen er regelmäßig vorbei schaut und Lehrgänge abhält. In dieser Zeit ist er bereits mehrmals in Japan und das Verständnis für die Kultur und das "wie und warum" in diesem Land beeindruckt ihn. In dieser Zeit ist Meister André NocquetPräsident der UEA und bei vielen Lehrgängen wird das Aikido weiter vertieft.

Edmund Kern hatte das Bestreben so dicht wie möglich an die Quelle des Aikido zu gelangen. Bei der Alljapanischen Aikido Embukai in Tokyo hat ihn die klareTechnikausführung von Morihiro Saito Sensei sehr beeindruckt, durch eine Buchreihe und Super 8 Filmehatte er schon vorher Eindrücke von diesem Aikido-Meister und seinem umfassenden Waffenprogramm gewonnen. Einem glücklichen Umstand verdankte Edmund Kern dann, Kontakt zu Saito Sensei herzustellen.

Er sah 1983 bei der Embukai in Tokyo plötzlich Paolo Coralini, den er von internationalen Lehrgängen der UEA kannte. Paolo Coralini war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Schüler von Saito Sensei. Als Saito Sensei 1984 daserste Aikido Seminar in Europa (Turin/Italien) abhielt, war Edmund Kern der einzige Deutsche bei diesem Ereignis. Für seinen weiteren Weg war dieses Treffenentscheidend, von da an war Saito Sensei sein Lehrer.

Edmund Kern war 1987 dann das erste mal als Uchi Deshi bei Saito Sensei in Iwama. Für ihn war es einegroße Auszeichnung im dem Dojo trainieren zu können,in dem O Sensei Aikido entwickelte und in dem so vieleder heutigen Shihans ihre wichtigsten Aikidoerfahrungenmachen konnten. Zudem war mit dem Aikischrein ein geistiges Zentrum für das Aikido hier in Iwama geschaffen worden. Für ihn war es immer ein gutes Gefühl morgens beim Waffentraining, vor diesem Schrein, weitere Aikidoerfahrungen zu sammeln.
Edmund Kern geht ab dieser Zeit elfmal jeweils für mehrere Wochen nach Iwama und lädt seinen Lehrer Morihiro Saito und seinen Sohn Hitohiro Saito zu insgesamt 4 internationalen Lehrgängen nach Deutschland ein. In dieser Zeit bekommt er von seinemLehrer den 5.Dan verliehen.

Edmund Kern war mittlerweile 4. Dan im DAB und Mitglied in der Technischen Kommission. Edmund Kern pflegte intensiv die Kontakte zu seinen Schülern und so bekam er immer mehr Einladungen von befreundeten Dojos. Die neuen Kontakte nach Japan waren allerdings bei dem Präsidium des DAB nicht erwünscht und man legte Edmund Kern nahe den Verband zu verlassen.
Dieses wurde noch dadurch verstärkt, dass man die
Dan-Prüfungshoheit ausnutzte um Schüler unter Druck zu setzen und sogar durchfallen ließ. Als Folge davon verließen bundesweit im laufe der Zeit 45 Dojos den Verband und Edmund Kern gründete 1988 in Fürth ein neues Dojo, dem noch weitere 7 folgen sollten.
In Bayern ist er Mitbegründer und 1. Vorsitzender des Fachverbandes Aikido, den er wesentlich mitgestaltete und zu dessen Ehrenpräsident er für diese Verdienste ernannt wurde. Edmund Kern pflegt auch weiter seineKontakte zu anderen Budo-Disziplinen so kommt es zu über 15 Karate-Aikido Seminaren mit dem Karateka Viktor v. d. Wijngarden.

Durch seine Kontakte zu den anderen Budo-Disziplinen wird er auf die Kokusai-Budoin Budo-Renmei-IMAF aufmerksam, eine Stiftung des japanischen Kaiserhauses, die die Aufgabe erhielt, die traditionellen Werte des Budo zu pflegen. Hier wird er Mitglied und arbeitet mit den japanischen Großmeistern und dem Chairman für Europa H.D.Rauscher zusammen.

Die IMAF wird heute durch den Präsidenten Yasuhisa Tokugawa geleitet, dessen Familie über 260 Jahre die Geschicke Japans geleitet und das Bild des heutigen Japans geformt hat.





 
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